Zukunft gemeinsam
formen:
Szenarien für
Svizra27

Winter Semester 22 / 23
Städtebauentwurfsstudio/ Stadtforschungsstudio
ECTS 12,5 (optional plus 12,5 oder ECTS 5)

Prof.in Fabienne Hoelzel,
AM.in i.V. Lisa Dautel, LBA Antonia Dürig

– Exkursion in die Nordwestschweiz (Standorte von Svizra27)

– Midterms: 30. November

– Pre-presentation: 24. Januar

– Finals: 7. Februar (evtl. in der Schweiz)

Bruno Latour, Achille Mbembe, Maria Puig de la Bellacasa, u.a.

Interesse an komplexen, gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen, die über das Fachgebiet von Städtebau und Stadtplanung hinausgehen

Der Zugang und die Nutzung vieler öffentlicher Güter sind ungleich verteilt, sowohl unter den Bewohner*innen der reichen westlichen Industrienationen, unter dem globalen Norden und dem globalen Süden sowie unter allen Lebewesen auf dem gesamten Planeten. Diese Einsicht bedeutet nicht das Ende von Genuss, Freude und Fortschritt. Es bedeutet, dass wir lernen, Bereiche des Systems und der Logik, in der wir arbeiten, produzieren und umverteilen, auszuwählen und in der Folge Schritt für Schritt zu überprüfen. Was ist wünschenswert und was nicht?

Der Planet Erde ist der einzige Ort, auf dem es jemals Leben gab. Die Haut dieser Erde ist dünn und verletzlich – und sie ist der gemeinsame Lebensraum für Einzeller, Pflanzen, Tiere und Menschen. Das Bild wäre also jenes eines vernetzten, fließenden, aber auch konkurrierenden Zusammenlebens auf der Erde. Sämtliche Lebewesen sind miteinander verwoben, auch wenn wir nicht in derselben Weise in der Welt leben.

Im aktuellen Zeitalter geht es nicht mehr in erster Linie darum, Bodenressourcen zu Produktionszwecken zu nutzen, sondern sich zu fragen, wie wir leben wollen (müssen), damit alle leben können. Das ist anspruchsvoll und verlangt komplexes Denken. Wir nähern uns daher dieser Fragestellung mithilfe der Szenariotechnik an. Dabei wählen wir relevante Zukunftsthemen wie die Nahrungsmittel- und Energieproduktion, Gesundheitsvorsorge und -nachsorge, Fürsorge und Pflege, das Fortschreiben der künstlichen Intelligenz, die Robotik sowie die Vernetzung von Menschen und Nicht-Menschen aus.

Wir nutzen hierzu den „captital approach to sustainability“, d.h. wir spielen Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft weder gegeneinander aus noch arbeiten wir mit dem kleinsten, gemeinsamen Nenner, sondern betrachten diese Dinge ineinander gebettet. Dabei verfolgen wir ganz klar das normative Ziel einer suffizienten Gesellschaft, d.h. einer stark nachhaltigen Gesellschaft. Dabei verbraucht die Wirtschaft weniger Energie, suffiziente Lebensstile überwiegen und technologische Innovationen vereinfachen das Monitoring des Energieverbrauchs und die Eigenproduktion („sunflower society“).

Die Studierenden arbeiten in 2er-Gruppen an den Zukunftsthemen, die konkreten Standorten in der Nordwestschweiz zugeordnet sind (Basel, Stein, Baden, Aarau, Olten, Solothurn, St.Ursanne, Delémont, Laufen, Arlesheim). Darunter befinden sich Städte, Kleinstädte und Dörfer („Reallabore“). Neben Karten produzieren wir Diagramme und Bilder sowie Kurzvideos. Zum Abschluss erarbeiten wir gemeinsam auf Basis aller Zukunftsszenarien ein Leitbild.

Die Resultate des Entwurfsstudios werden in das Projekt „Svizra27: Zukunft gemeinsam formen“ einfließen. Svizra27 ist ein Projektvorschlag für die nächste Landesausstellung im Jahr 2027 mit ca. 6-10 Millionen Besucher*innen und 1 Milliarde Gesamtbudget. Es ist eine Besonderheit der Schweiz, dass alle 25 Jahre eine Landesausstellung das Lebensgefühl einer Generation wiedergeben und gleichzeitig eine Zukunftsvision skizzieren möchte. Beide Unterfangen scheinen in einer pluralen, globalen und auch fragilen Weltordnung herausfordernder denn je. Eine zeitgenössische Landesausstellung sollte primär vor diesem Hintergrund Fragen stellen – danach, was es bedeutet, im 21. Jahrhundert eine Gemeinschaft und eine Nation zu sein. Svizra27 stellt dabei die grossen, komplexen Fragen der Verantwortung und Teilhabe in einer sich vernetzenden und fluiden Welt genauso wie die vermeintlich einfachen Fragen, die ans Alltägliche anknüpfen.

Wasser:
Element einer
klimaresilienten
Landschaftsarchitektur

Winter Semester 22 / 23
Landschaftsarchitekturseminar (Modul 11)
ECTS 5

LBA Dirk Meiser, Landschaftsarchitekt

Max. 10

NB 1, Raum 208

20. Oktober, 14 Uhr (Kick-off)

10

AM i.V. Lisa Dautel

Wasser ist ein extremes Element. Ganz unterschiedliche Adjektive zeigen die Varianz an Eigenschaften, die das Wasser aufweisen kann. Dieses Phänomen stellt die planenden Akteure von Stadt und Land vor große Herausforderungen – gerade jetzt bei dem dringend notwendigen Umbau zu Klimaresillienz und Nachhaltigkeit.

Wie geht man mit diesen extremen Gegensätzen um? Was heißt das für die Planung von Städten, Gebäuden, Freiräumen und für die Landnutzung?

Der Umgang mit dem Element in Stadt und Landschaft nötigt dem Planer viel Kreativität ab und führt bisweilen zu bemerkenswerten Bauwerken in der Landschaft. Ob Wasser zerstörerisch oder lebenspendend ist, entscheidet oft der richtige Umgang damit und nicht das extreme Wetterereignis. Dabei ist Wasser schon seit Jahrhunderten ein unverzichtbarer Bestandteil in der Landschaftsarchitektur. Sie zeigt vielfältige Lösungsmöglichkeiten, mit dem „Extremist“ Wasser zu planen, mit seinen „Launen“, seinen extremen Schwankungen zu arbeiten, sein Potential zu nutzen, letztlich auch um für den Klimawandel gewappnet zu sein. Wasser kann Gestaltungselement sein, Infrastruktur, Klimaanlage, Wasser kann ernähren, versorgen, reinigen, schützen. Es kann aber auch zur tödlichen Flut werden, sein Ausbleiben zum Absterben von ganzen Ökosystemen und seine Verschmutzung zum Auslöser für Seuchen und Hunger werden. Jüngste Unwetterkatastrophen zeugen davon, wie verheerend die Auswirkungen sein können, wenn dem Phänomen Wasser planerisch nicht ausreichend Rechnung getragen wird.

Wir nähern uns dem Themenfeld mit Fragestellungen, theoretischem Input, Kurzreferaten und gestalterischen Aufgaben.